Jeannée und die geknüppelten Flüchtlinge – Ein Leserbrief, von dem ich dachte, dass ihn die Krone nie abdrucken wird (und der nun doch abgedruckt wurde)

Lieber Herr Jeannée!

Sie fragen sich in Ihrer heutigen Kolumne, was diese Flüchtlinge denn eigentlich wollen. Es gehe ihnen doch gut hier: sie haben ein Bett, sie bekommen etwas zu essen und sie werden sogar nicht mit dem Knüppel geschlagen!

Wie recht Sie doch (wieder einmal) haben, Herr Jeannée! Es ist in der Tat unfassbar, dass Flüchtlinge, kaum dass sie nicht mehr die Schläge der Knüppel spüren, vor denen sie geflüchtet sind, Ansprüche stellen und ganze Menschen sein wollen. Und es ist empörend, dass nicht lethargische Leute, die die Tage nichtstuend verbringen wollen, in Österreich stranden, sondern Menschen voller Tatendrang!

Aber im Ernst, Herr Jeannée, respektieren Sie tatsächlich nur Flüchtlinge, die stumme, anspruchslose Lemminge sind und sich alles gefallen lassen? Haben Sie schon mal daran gedacht, dass genau das nicht die Menschen sind, die flüchten?

Herr Jeannée, wenn Sie anerkennen, dass es dynamische Menschen sind, die hierher kommen, dann schaffen Sie es vielleicht auch anzuerkennen, dass diese Menschen nicht auf der Stelle treten wollen, sondern sich weiterentwickeln, etwas weiterbringen und sich dort, wo sie leben, einbringen wollen.

Der Protest der Flüchtlinge ist daher kein schlechtes, sondern ein gutes Zeichen. Die Flüchtlinge kämpfen dafür, ganze Menschen sein zu können! Der Protest zeigt, dass für die Flüchtlinge jeder Tag, an dem sie gegen ihren Willen zur Lethargie verdammt sind, ein verlorener Tag ist.

Schönen Tag, Herr Jeannée.

Ihr,

Alexander Pollak

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4 Antworten auf Jeannée und die geknüppelten Flüchtlinge – Ein Leserbrief, von dem ich dachte, dass ihn die Krone nie abdrucken wird (und der nun doch abgedruckt wurde)

  1. Peter N. sagt:

    Selbstverständlich wird Jeannee diesen Leserbrief nicht abdrucken, denn dazu ist er viel zu sehr von der völlig widerspruchsfreien Wichtigkeit seiner eigenen Erkenntnisse überzeugt. Und dafür hat er ja auch seine Empörungsbewirtschafter auf Seiten wie unzensuriert oder erstaunlich.at, wo genau solche Leserbriefe als verklärt-linksgutmenschlicher Topfen genüsslich zynisch und sarkastisch durch den Kakao gezogen werden.

    Dem schlammigen Unsinn des ewigfetten Jeannee entgegenzutreten, ist zwar ehrenhaft, wird aber in leider allzuvielen Fällen von den Rechten nur zu gerne aufgegriffen, um zynisch und kokett um den Inhalt, die Form, das Wording herumzutanzen.

    Ich weiß wirklich nicht, was nun klüger wäre: zu schweigen oder zu reagieren, und wenn man reagiert, ja dann wie?
    Ich denke manchmal, dass ein Brief als Reaktion auf derlei Schlammgedanken schon vorausschauend in der gleichen Tonalität verfasst werden müsste, wie die darauf zu erwartenden Reaktionen. Alles andere erscheint mir so, als würde man mal eben zu den Rechten rübergehen und zu ihnen sagen: “Nun schaut doch mal, da haben wir wieder ein paar Wordings und Versatzstücke, mit denen ihr uns, den Menschenrechten, den Grünen, dem guten Bürger, dem freien, denkenden Mitmensch, so richtig einen reinwürgen könnt. Bitte Danke!”

  2. thomas zarka sagt:

    hallo alex,
    respekt für den artikel, ich glaube leider dass der herr jeannee ihn nicht verstehen wird.

    weiter so

    Tom

  3. Hans Peter sagt:

    Vollste Zustimmung zu den Worten von Herrn Jeannée.
    Wenn der angesprochene Tatendrang so groß ist, lässt sich sicher in der Heimat etwas ändern, zum Wohle all jener, die zu feige waren um zu flüchten.

  4. Ein guter offener Brief. Gerade jetzt wo die Problematik in Städten wie Berlin wieder an Aktualität gewinnt, lese ich ihn mit großer Aufmerksamkeit. Ich denke die meisten Menschen denken leider immer noch wie der Adressat Ihres Briefes. Für sie sind Flüchtlinge zwar geduldet aber leider immer noch keine wirklichen „Mitbürger“ (in einem humanistischen Sinne), denen man die gleichen Rechte gewährt wie allen anderen. Da scheint dann schon ein solches Aufbegehren Zeugnis von Undankbarkeit zu sein. Es ist traurig. Und zeigt wie weit wir noch entfernt sind von einem universellen Verständnis einer geeinten Welt. Trotz Globalisierung und Weltmarkt inklusive freiem Warenverkehr sind Menschen immer noch nicht frei. Stattdessen herrscht kleinstaatliches Denken…

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