Zu heilig, zu engagiert, zu bescheiden

Sehr geehrter Herr Gudenus,

danke für Ihr beherztes Schreiben vom 27. Juli mit dem Titel „’Heiliger Pollak’ möge mit gutem Beispiel vorangehen“. Ich habe mit großem Interesse Ihre Ratschläge gelesen. Besonders wichtig und lobenswert finde ich Ihre Anregung, dass Personen, die üppige Gehälter beziehen, verstärkt zur gesellschaftlichen Solidarität in Österreich beitragen sollten. Wer viel verdient sollte in der Tat bereit sein, sein Hab und Gut auch mit denen zu teilen, denen es schlechter geht. Allerdings, und hier ehrt Sie Ihre außergewöhnliche Bescheidenheit, würde ich die Grenze für üppige Gehälter nicht ganz so niedrig ansetzen wie Sie das tun. 1300 Euro netto NGO-Einkommen im Monat ist in meinen Augen und auch gemessen an den österreichischen Durchschnittseinkommen kein üppiges, sondern eher ein unterdurchschnittliches Gehalt. Menschenrechts-NGOs machen eben keine Profite und können und wollen es sich nicht leisten, auf großem Fuß zu leben.

Apropos auf großem Fuß leben: Sind Sie vielleicht der Gemeinderat, der mit Chauffeur durch die Gegend fährt? Ich habe da kürzlich etwas von einem Ex-Polizisten gelesen, der wegen Körperverletzung und Amtsmissbrauch verurteilt wurde und sich ein gefälschtes Innenministeriums-Dienstzeugnis hat anfertigen lassen und nun als Chauffeur für einen Herrn Johann Gudenus arbeitet. Sind Sie dieser Herr Gudenus? Falls ja, dann brauchen Sie sich keine Sorgen um Ihren Ruf zu machen. Durch Ihr Schreiben an mich ist klar geworden, dass Sie sich, wenn, dann nur aus einem Grund einen Chauffeur leisten, um ihre große Bescheidenheit nicht zu sehr zur Schau zu stellen.

Ich hoffe jedenfalls, dass Sie sich auch weiterhin für die soziale Verantwortung von Üppigverdienenden einsetzen werden. Als Klubobmann im Wiener Landtag verdienen Sie ja 11.420 Euro brutto im Monat, was Ihnen, angesichts Ihrer außerordentlich geringen materiellen Ansprüche, einen sehr großen Spielraum für solidarisches Handeln lässt.

Eine gute Ergänzung zu Ihrem vorbildlichen Einsatz für gesellschaftliche Solidarität wäre übrigens das Engagement gegen Rassismus und Hetze. Wenn Sie da auch so hohe Maßstäbe anlegen, dann steht einer positiven Entwicklung in Österreich kaum mehr etwas im Wege.

Mit freundlichen Grüßen,

Alexander Pollak

Dieser Beitrag wurde unter Solidarität abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Zu heilig, zu engagiert, zu bescheiden

  1. Martin sagt:

    Den scheinheiligen Anwürfen des FPÖ-Recken sachlich, engagiert, pointiert und perfekt gekontert, finde ich mal. Gar nicht so leicht wenn einer wie Gudenus indirekt fordert, daß AsylwerberInnen doch aus staatlicher in private Hände gegeben werden sollten. Aber derartige Grauslichkeiten und anfeindende Methoden sind leider zu erwarten aus dieser Ecke.

    Fehlte nur noch der deutlichere Hinweis auf die leider beliebte Lüge der FPÖ von wegen “Asylindustrie” neben Ihrem Gehalt. Aber wer da mitdenkt wird das jedenfalls kombinieren …

    Wie üblich hat es die FPÖ Wien in ihrer PA neben sinnlosen, polemischen Angriffen wieder nicht geschafft, die magische Grenze von ca. 10 Zeilen zu überschreiten. Etwas kürzer, und sie hättens problemlos twittern können.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>