Sphärenwechsel

Wie starte ich meinen Blog? Und worin unterscheidet sich Menschenrechtsarbeit von Menschenrechtsarbeit? Diese beiden Fragen haben mich bei meinem heutigen Eintrag beschäftigt.

Ich bin im Dezember aus einer Menschenrechtsorganisation in eine Menschenrechtsorganisation gewechselt. Kein großer Schritt könnte man meinen. Und doch fühlt es sich so an als hätte ich einen Ozean durchquert, um an ein anderes Ufer zu gelangen.

Meine Menschenrechtsarbeit der letzten 5 Jahre fand in der Sphäre einer EU-Institution statt, der EU-Grundrechteagentur. Es war eine Sphäre, in der Politikberatung und die Teilnahme an hohen politischen Gremien an erster Stelle standen und in der die Arbeit stark von politischen Zurufen von außen geprägt war. Und es war eine Sphäre, die von Angst geprägt war. Es herrschte Angst vor Kritik, Angst, anderen auf die Füße zu treten, Angst, man könne aus politischen Gremien wieder verbannt werden, Angst,…

Meine vorrangige Aufgabe in der EU-Grundrechteagentur war die Leitung von Forschungsprojekten zu Menschenrechtsthemen (etwa “Diskriminierung im Sport” oder “Die Darstellung von Minderheiten in den Medien”) . Für mich war klar, dass ich die Ergebnisse der Forschungsarbeiten dazu nutzen wollte, um das Bewusstsein für Menschenrechte und das Handeln gegen Diskriminierung voranzutreiben. Doch um grünes Licht für konkrete Anti-Diskriminierungsarbeit zu erhalten, musste ich erst einmal meine Vorgesetzten von einer Sache überzeugen: richtig, dass sie keine Angst zu haben brauchen. Und ich sag’s gleich frei heraus: daran bin ich immer wieder gescheitert.

Seit Ende letzten Jahres befinde ich mich nun in der Sphäre einer österreichischen Menschenrechtsorganisation, die nicht groß, aber dafür politisch unabhängig ist. Statt Politikberatung stehen politische Kampagnen an erster Stelle, statt durch Zurufe von außen, wird die Arbeit durch interne Prioritätensetzung bestimmt, statt sich im schmalen Feld einer politische Elite zu bewegen, findet der Versuch statt, mit einer breiteren gesellschaftlichen Schicht zu kommunizieren (ein Versuch, der zugegebenermaßen nicht immer gelingt).

Und ich habe materielle Privilegien gegen ein anderes Privileg eingetauscht: weitgehend angstfrei arbeiten zu können. Natürlich will man keinen Fehler machen, natürlich hat man vor Augen, dass es der Beteiligung von SpenderInnen bedarf, damit die Arbeit in einer unabhängigen NGO überhaupt stattfinden kann, aber Kritik zu üben (und auch kritisch wahrgenommen zu werden) ist plötzlich wichtiger Bestandteil der Arbeit und nicht mehr etwas, wovor man sich fürchten muss.

In der Sphäre aus der ich komme, habe ich viel gelernt, viel ausprobiert. Die Sphäre, in der ich mich jetzt befinde, gibt mir das Gefühl, Handeln zu können. Ein gutes Gefühl.

PS: Mit diesem Eintrag ist mein Blog feierlich eröffnet! :) Ich möchte Dagmar Urban dafür danken, dass sie diesen Blog für mich aufgesetzt hat.

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Eine Antwort auf Sphärenwechsel

  1. Lieber A. Pollak,
    gestern habe ich in der PRESSE gelesen, dass sich SOS Mitmensch mit der kritischen Rezeption von Süßspeisen, “Mohr im Hemd” beschäftigt. Ich dachte zuerst an einen verspäteten Aprilscherz. Aber nein, das war ernst gemeint. Unser Magazin ORIENTIERUNG ist ja für seine antirassistische und Afrika-bewusste Berichterstattung gelobt worden, also darf ich schon – selbst Antirassist – etwas sagen.
    Eine Debatte über Begriffe der Gastronomie zu führen ist ein Blödheit und Dämlichkeit sondergleichen, spielt nur den Leuten, die Gutmenschen als weltfremde Traumtänzer bezeichnen in die Hände. Ich jedenfalls finde an einem “Mohr im Hemd” nichts Rassistisches (es ist ein Begriff aus dem 18. Jh., da sagte man es so, oder), mit einer Umbenennung wird nur Rassismus gefördert statt bekämpft, weil sich die Antirassisten so lächerlich machen! Schreibe ja normal nie, aber das musste sein!
    lg
    Klaus Ther

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